«Ich war damals nicht überglücklich»

«Ich war damals nicht überglücklich»

Ihre erste Carte blanche nutzen Sie für ein Tributkonzert an die CD «Ágætis byrjun» von Sigur Rós. Der 20. Geburtstag des Werks ist wohl nicht der einzige Grund?

Sigur Rós haben mich sehr geprägt, das ist auch meinem Trio Vertigo anzumerken. Vor jenem Album hatte ich noch nie so sphärische Musik mit so langen Bögen gehört.

Das Album «Ágætis byrjun» von Sigur Rós, das so viel heisst wie «Ein guter Beginn», wurde in diesem Jahr 20.

Was machte Sie seinerzeit für die melancholischen Post-Rock-Märchenhelden aus Island so empfänglich?

Ich war damals, ungefähr 2001, nicht überglücklich. Die KV-Lehre, die ich bei der Bank machte, war ein Fehlgriff gewesen. Gleichzeitig habe ich es als sehr schöne Zeit in Erinnerung, da ich einen engen Freundeskreis aus vier, fünf Leuten hatte. Wir hörten und besprachen auch immer zusammen neue Musik.

«Ágætis byrjun» führen Sie mit vier Gastmusikern auf. Was haben Sie vor?

Wir werden uns dem Original annähern, aber es nicht einfach covern. Das könnten wir auch nicht, es hat Streicher und weitere Elemente auf der CD, die wir weglassen. Alle haben die Noten bekommen und sollen aus der Aufnahme selbst herausfühlen, was bei ihrem Instrument nicht fehlen darf. Ganz Wichtiges habe ich ihnen auch notiert. Zusammen proben wir nur diesen Freitag und Samstag und gehen am Sonntag damit auf die Bühne.

Für das zweite Carte-blanche-Konzert – mit Vertigo – suchen Sie noch eine Sängerin. Und zum Dritten spielen sie Electropop mit King Pepe. Bringt es Sie nicht durcheinander, wenn Sie in so vielen Identitäten im Progr auftreten?

Vor Jahren hatte ich tatsächlich eine musikalische Identitätskrise, weil mich immer mehr Richtungen als die instrumentell-jazzige interessiert haben. Mittlerweile habe ich meine Identität am Bass gefunden und gefestigt. Am Bass bin ich immer der gleiche Mensch.

Jeremias Kellers Vertigo.

Turnhalle im Progr, Sonntag, 24. November, 20.30 Uhr.

Jeremias Keller

Der 33-Jährige ist Produktionsleiter der Jazzwerkstatt Bern und Bassist in seinem progressiven Trio Vertigo. Diesen Winter gestaltet er drei bis vier Carte-blanche-Konzerte bei Bee-Flat.

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