Implenia wird Aktivisten los – Problem mit dem Grossaktionär bleibt ungelöst

Implenia wird Aktivisten los – Problem mit dem Grossaktionär bleibt ungelöst

Vor einer Woche drohte Implenia ein Kampf mit einem aktivistischen Investor. Veraison gab bekannt, man habe das Gespräch abgebrochen mit dem grössten Schweizer Baukonzern. Zuvor gab es schwere Vorwürfe gegen den Implenia-Verwaltungsrat. Dessen Pläne würden die Aktionäre enteignen. Der Präsident gehöre abgewählt.

Eine Woche später zieht sich Veraison zurück. Chef Gregor Greber hat alle Aktien verkauft, rund 2 Prozent. In einer Pressemitteilung erklärte er den Rückzug. Der Verwaltungsrat nehme nun mehr Rücksicht auf die Aktionäre bei seinen Plänen, aus der Entwicklungssparte mehr herauszuholen. Dennoch gab es Spott für Greber. Das Finanzportal «Inside Paradeplatz» schreibt von einer Riesenpleite. Greber werde zum Schaumschläger.

Ihm war keine andere Wahl geblieben. Bei seinem knallharten Kurs zog der entscheidende Verbündete nicht länger mit. Grossaktionär Max Rössler wollte seinen Anteil von 16,5 Prozent lieber hinter den Verwaltungsrat stellen. Am Samstag gab es eine Medienmitteilung, Implenia und Max Rössler hätten sich geeinigt auf ein gemeinsames Vorgehen. Rössler löse die Gruppe auf, die er mit Veraison bildete. Greber stand alleine da.

Die Mitarbeiter von Implenia dürfen erst einmal aufatmen

Eine «Riesenpleite» dürfte es dennoch nicht gewesen sein für ihn. Seine Aktien hat er wohl teurer verkauft, als er sie erworben hat. Mitte September wurde bekannt, dass er bei Implenia einsteigen würde. Seither ist der Kurs ein gutes Stück nach oben geklettert. Zumindest finanziell ging seine Rechnung auf. Was nicht ausgeräumt ist: der Vorwurf der Schaumschlägerei.

Doch der Plan von Greber hätte weitreichende Folgen gehabt. Er wollte eine Abspaltung der Sparte, die für Implenia neue Areale kauft und entwickelt. Die übrigen Sparten – das eigentliche Baugeschäft – wären reif gewesen für eine Übernahme. Mögliche Käufer wären aus dem Ausland gekommen. Der grösste Schweizer Baukonzern wäre zerschlagen worden. Nun ist die Erleichterung gross unter den Mitarbeitern.

Eine Frage bleibt: Was die langfristigen Folgen einer Zerschlagung Implenias gewesen wären. Grebers Pläne passen zum typischen Vorgehen von Aktivisten, wie es in der Kritik steht. Sie würden schnelles Geld machen, in dem sie Betriebe zerlegen und Einzelteile verkaufen. Echten Mehrwert würden sie nicht schaffen. Darum will eine Gruppe von St. Galler Professoren nun Reformen. Aktivisten sollen nicht länger verhindern, dass Unternehmen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen.

Derweil hat Implenia seine Probleme mit Grossaktionär Rössler nicht gelöst. Man hat sich auf eine friedfertige Herangehensweise geeinigt. Laut Medienmitteilung will man sich mehr Zeit nehmen. Man will besser verstehen, welche Folge es für die Aktionäre hat, wenn die Entwicklungssparte verselbstständigt wird. Implenia steht noch viel Arbeit bevor.