Morales-Herausforderer prangert Wahlbetrug in Bolivien an

Morales-Herausforderer prangert Wahlbetrug in Bolivien an

Zuvor hatten neue Teilergebnisse daraufhin hingedeutet, dass Morales die Wahl doch in der ersten Runde gewinnen könnte – und damit nicht in die Stichwahl muss.

Die Wahlbeobachter der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) äusserte sich “zutiefst besorgt und erstaunt” über diesen drastischen Trendwechsel bei den Ergebnissen. Dieser sei nur “schwer zu erklären”.

Nach der Veröffentlichung von Teilergebnissen am Sonntagabend hatte alles auf eine Stichwahl zwischen Amtsinhaber Morales und seinem Rivalen Mesa hingedeutet. Laut neuen Teilergebnissen vom Montag könnte Morales sich aber im ersten Wahlgang durchgesetzt haben.

Zehn-Punkte-Abstand greift

Die Wahlbehörden aktivierten angesichts der Kritik wieder ein System zum schnellen Auszählen der Stimmzettel. Dieses sah Morales nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen bei 46,4 Prozent und Mesa bei 37,07 Prozent. Demnach würden Morales nur 0,67 Punkte fehlen, um die Stichwahl zu vermeiden und im ersten Wahlgang zu gewinnen.

Für einen Sieg in der ersten Runde benötigt ein Kandidat nach bolivianischem Wahlrecht entweder mehr als 50 Prozent der Stimmen oder mehr als 40 Prozent und mindestens zehn Punkte Abstand zum Zweitplatzierten. Dieser Abstand zwischen Morales und Mesa hatte sich zuletzt den zehn Punkten genährt.

Bisher hatte Morales, der erste indigene Staatschef des südamerikanischen Landes, alle Präsidentschaftswahlen im ersten Wahlgang gewonnen. Die Kandidatur des seit 2006 regierenden Morales für eine vierte Amtszeit ist umstritten. Boliviens Verfassung verbietet eigentlich eine vierte Amtszeit. Das oberste Wahlgericht hatte jedoch im vergangenen Dezember eine erneute Kandidatur Morales’ genehmigt.