Ständerat Bern: Stöckeli an der Spitze – Rytz sensationell

Ständerat Bern: Stöckeli an der Spitze – Rytz sensationell

Simon Wälti

Die Reaktionen bei der Verkündigung der Resultate für den Ständerat im Berner Rathaus sprachen Bände: Hans Stöckli (SP) stiess einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus. Die Grünen, deren Parteipräsidentin Regula Rytz dem SP-Mann gefährlich nahe gekommen war, jubelten aus voller Kehle und lang anhaltend. Im Lager von SVP-Kandidat Werner Salzmann tat sich die Freude ebenfalls sehr laut kund – nur eine Oktave tiefer.

Fast still war es dagegen bei der BDP: Zu schlecht hatte Regierungsrätin Beatrice Simon abgeschnitten. Während vor vier Jahren Werner Luginbühl das beste Resultat aller Kandidierenden erzielte und das absolute Mehr nur knapp verpasst hatte, musste sie mit dem vierten Platz im ersten Wahlgang vorliebnehmen. Mit nur 82283 Stimmen war sie von Salzmann um mehr als 37’000 Stimmen distanziert worden.

Das sagt Hans Stöckli zu seinem Wahlsieg.

Bisheriger mit wenig Bonus

Auffällig ist der geringe Abstand zwischen Stöckli und Rytz. Das hat mehrere Gründe: Vor vier Jahren stand bei den Grünen mit Christine Häsler eine ungleich weniger bekannte Frau am Start. Nun sind die Grünen im Überflugsmodus. Und Stöckli selber hat bei den Wählerinnen und Wählern wohl einen Teil seiner Anziehungskraft eingebüsst. Mit 122’263 Stimmen machte er deutlich weniger Stimmen als noch 2015. Der Bisherigen-Bonus spielte für die SP nicht im gewünschten Mass. Stöckli war trotzdem zufrieden, wie er im «Bund»-Interview sagte: «Ich bin glücklich und stolz, dass ich es geschafft habe und auf dem ersten Platz bin – auch mit Blick auf die grüne Welle.»

«Ich bin glücklich und stolz, dass ich es geschafft habe und auf dem ersten Platz bin – auch mit Blick auf die grüne Welle»Hans Stöckli (SP), Bisheriger Ständerat

Erklärungsbedarf gab es bei der BDP. Womöglich bestanden doch gewisse Fragezeichen, ob die kantonale Finanzdirektorin Simon den nicht mehr antretenden Luginbühl im Ständerat valabel ersetzen könnte. Simon wurde am Sonntag aber immerhin in den Nationalrat gewählt.

Beatrice Simon im Video-Interview zu ihrem Abschneiden.

Bei der Auszählung der Verwaltungskreise hatte Salzmann lange geführt. Er gab sich allerdings keinen Illusionen hin. Mit Bern-Mittelland, dem grössten Kreis, würden Stöckli und auch Rytz noch an ihm vorbeiziehen, sagte er – was sich dann auch bewahrheitete. Im Kreis Bern-Mittelland mit der rot-grünen Hochburg Bern machte Rytz gut 13’000 Stimmen mehr als Salzmann.

Besser als vor vier Jahren schnitten FDP und GLP ab. Kathrin Bertschy machte deutlich mehr Stimmen als Jürg Grossen, und Christa Markwalder liess das Resultat von Claudine Esseiva weit hinter sich. Neu in Kraft ist erstmals eine 3-Prozent-Hürde. Wer nicht mindestens 3 Prozent der Stimmen erzielt hat, ist für den 2. Wahlgang nicht zugelassen. 2015 hatte der chancenlose Aussenseiter Bruno Moser eine stille Wahl verhindert.

Das sagt die Grünen-Co-Präsidentin Natalie Imboden zum weiteren Vorgehen von Grünen und SP.

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