Trotz schlechten Saisonstart: Mit Kari Jalonen beim SC Bern den Lauf der Zeit anhalten

Trotz schlechten Saisonstart: Mit Kari Jalonen beim SC Bern den Lauf der Zeit anhalten

1 Jalonen bleibt ein Berner

Der SCB hat den Vertrag mit seinem Erfolgstrainer Kari Jalonen, 59, vorzeitig um ein weiteres Jahr bis zum Ende der nächsten Saison, 2021, verlängert. Obwohl der SCB punktgleich mit den SCL Tigers «am Strich» klassiert ist und unter Zuschauerschwund leidet. Doch die Prolongation ist verständlich. Mit Jalonen nicht zu verlängern, ist so undenkbar, wie es einst in Davos ausserhalb von jeder Vorstellungskraft war, mit Del Curto den Vertrag nicht zu erneuern.

Der SCB hat ja in den letzten drei Jahren unter Jalonen dreimal die Qualifikation und zweimal die Meisterschaft, 2017 und 2019, gewonnen. Das Festhalten am Trainer, seit 2016 in Bern, ist der Versuch, die Zeit anzuhalten. Der dringend erforderliche Erneuerungsprozess wird nun in Bern um weitere eineinhalb Jahre hinausgezögert. Wenn denn Jalonen tatsächlich bis 2021 bleibt. Die Unruhe im Maschinenraum der SCB-Titanic ist inzwischen nicht mehr geheim zu halten. Per sofort hat Sportchef Alex Chatelain den arbeitslosen kanadischen Verteidiger Andrew MacDonald, 33, verpflichtet. Er wurde in Philadelphia ausgemustert und war in der letzten Saison in der NHL eine «Nullnummer» (47 Spiele, 0 Tore).

2 Prominentester Assistent

Gottéron-Sportchef Christian Dubé, 42, bleibt bis Saisonende Cheftrainer. Aber er hat Sean Simpson, 59, den WM-Silberhelden von 2013, aus dem Ruhestand geholt. Er definiert die Rolle seines prominenten neuen Assistenten so: «Er wird an der Bande stehen, bei den Trainings dabei sein und auch Zutritt zur Kabine haben. Aber ich habe bei allen Entscheidungen das letzte Wort.» Der Vorteil: Funktioniert es nicht, so kann Dubé mit gutem Gewissen sagen: Ich habe den bestmöglichen Helfer geholt. Wenn es mit ihm nicht funktioniert, dann liegt es nicht an mir.

3 Verschwörung in Lugano

Luganos neuer Sportchef Hnat Domenichelli ist bei der Verpflichtung der Ausländer höchst professionell vorgegangen. Und hat die «Nullnummer» Ryan Spooner gefunden. Nun hat er den Vertrag mit dem kanadischen Stürmer aufgelöst. Eine kleine Bösartigkeit sei gestattet: Hat Sami Kapanen seinem Kanadier (er setzte ihn nur in zwei Partien, einen Assist, ein) keine Chance gegeben? Im Kader des finnischen Cheftrainers stehen die Finnen Lajunen und Ohtamaa sowie der Schwede Klasen. Ist Spooner das Opfer einer «skandinavischen Verschwörung»?

4 Das Erbe Del Curtos

Ein neuer Sportdirektor, ein neuer Trainer, zwei neue Assistenten, ein neuer Torhütertrainer, zwei neue Goalies, drei neue Ausländer – die Erneuerung beim HC Davos ist nach der Amtsniederlegung von Arno Del Curto im November 2018 eine tiefgreifende. Und erfolgreich: Die Davoser führen nach Verlustpunkten die Tabelle an. Sie haben bei ihrem ersten Heimspiel Leader Biel besiegt. Wer freundlich sein will, darf sagen: Es ist das Erbe Del Curtos. Denn Arno hat seinen Nachfolgern, nach mehr als 20 Jahren, intakte Strukturen hinterlassen.

5 Wie gut ist Genoni noch?

Statistiken sind ja nur Gehhilfen für fantasielose Chronisten. Aber eine ist halt schon reizvoll: Zugs Leonardo Genoni, WM-Silberheld 2018, mehrfacher Meister mit Davos und Bern und bestbezahlter Torhüter, ist statistisch – wir sagen ausdrücklich: bloss statistisch! – nur die Nummer 12. Mit einer Fangquote von 88,81 Prozent, der schwächsten seit dem NL-Debüt von 2007. Theoretisch – wir sagen ausdrücklich: bloss theoretisch! – ein «Lottergoalie». Die besten Werte hat Biels Jonas Hiller (94,10 Prozent). Die Frage ist berechtigt: Wie gut ist Genoni eigentlich noch?