Warum hohe Dividenden nie garantiert sind

Warum hohe Dividenden nie garantiert sind

Von Martin Spieler, 21. November 2019

Selbst mit Dividendenstars gibt es keinen gesicherten Ertrag. Wer bloss darauf setzt, trägt ein unnötig hohes Klumpenrisiko.

Besonders interessant punkto Dividendenrendite: Die grossen Versicherer wie die Zurich. Foto: Keystone

Ich bin Rentner mit einem sicheren Renteneinkommen und einer gering belasteten Liegenschaft. Weiter habe ich ein Depot mit einem Verwaltungsauftrag. Dieses ist breit abgestützt. Mit der Rendite bin ich in etwa zufrieden. Was mich stört, ist, dass es schwierig ist, den jährlichen Ertrag zu sichern. Ich habe die Idee, das Depot aufzulösen und ein neues aufzubauen, das nur dividendenstarke SMI-Titel umfasst. Damit könnte ich den Ertrag verwenden, ohne den Depotwert zu schmälern. Liege ich richtig, und welche SMI-Titel würden Sie dafür empfehlen? E.S.

Die Mehrheit der im Swiss-Market-Index (SMI) enthaltenen Schweizer Blue Chips weist eine attraktive Dividendenrendite aus. Besonders interessant sind punkto Dividendenrendite die grossen Versicherer: Swiss Re hat eine Dividendenrendite von rund 5,8 Prozent, die Zurich 5,4 Prozent und die Swiss Life eine solche von immerhin rund 3,5 Prozent.

Über 4 Prozent bringen Adecco, LafargeHolcim, Swisscom und ABB. Spitzenreiter unter den SMI-Titeln ist bezüglich der Dividendenrendite aktuell die UBS mit einer Rendite von über 6 Prozent, was allerdings in erster Linie damit zu tun hat, dass der Kurs der UBS-Papiere tief im Keller notiert.

Selbst Topaktien wie Nestlé, Roche und Novartis gelten als Dividendenperlen. So gesehen, könnten Sie tatsächlich ein Portfolio mit den Schweizer Dividendenstars zusammenstellen und einen erfreulichen Ertrag nur schon mittels Dividenden erzielen.

Leider hat die Sache gleich zwei grosse Haken: Wenn Sie den bisherigen Verwaltungsauftrag bei Ihrer Bank stoppen und Ihr Depot liquidieren und stattdessen nur noch auf Dividendenperlen aus dem SMI setzen, sparen Sie zwar die Gebühren für die Vermögensverwaltung, gehen aber ein erhebliches Klumpenrisiko ein.

Jetzt ist Ihr Depot auf über 30 Positionen, wie Sie mir schreiben breit, diversifiziert. Wenn Sie nur noch einige – wenngleich dividendenstarke – Schweizer Blue Chips halten, verfügen Sie nicht mehr über eine Diversifikation, sondern tragen ein Klumpenrisiko.

In diesem Jahr haben sich zwar die SMI-Werte von wenigen Ausnahmen abgesehen sehr erfreulich entwickelt. Wir haben aber auch schon Jahre gesehen, als die SMI-Titel auch im internationalen Vergleich schlecht abgeschnitten hatten.

Wenn Sie diesen Weg gehen, müssen Sie mit starken Kursschwankungen leben können, da die Aktienmärkte auch längere Phasen durch eine Korrektur gehen können. Und Sie sollten sich bewusst sein, dass Sie ein hohes Klumpenrisiko eingehen.

Der zweite Haken ist ebenso wichtig: Sie haben keine Garantie, dass Sie mit den SMI-Werten auch in Zukunft so hohe Dividendenrenditen erzielen. Einen gesicherten Ertrag, wie Sie es sich wünschen, haben Sie auch mit den Dividendenstars unter den SMI-Werten keineswegs. Wenn es bei den Firmen operativ weniger gut läuft als in den vergangenen Jahren, müssen Sie damit rechnen, dass die Dividenden gesenkt oder in einer Krise sogar ganz gestrichen werden, was zum Glück selten vorkommt.

Doch Sie erinnern sich: Im Zuge der Finanzkrise mussten die Grossbanken UBS und CS phasenweise auf die Dividendenauszahlung ganz oder zum grössten Teil verzichten. Für 2008 konnte die CS nur noch eine symbolische Dividende von 10 Rappen ausrichten. Und die UBS musste wegen der Finanzkrise gleich mehrmals die Dividende streichen. Das kann es auch bei anderen Unternehmen geben.

Es gilt der Grundsatz bei allen Aktien: Eine Dividende ist nie garantiert. Sie müssen somit abwägen, was Ihnen wichtiger ist: geringere Gebühren und höhere Risiken aufgrund der fehlenden Diversifikation oder eine höhere Sicherheit dank breiter Diversifikation, wie Sie es jetzt bei der Bank haben.

Eine Garantie, dass Sie jedes Jahr den erhofften Ertrag auf Ihrem Geld haben, ist indes bei beiden Varianten nicht gegeben.

Martin Spieler

Martin Spieler ist unabhängiger Wirtschafts- und Finanzexperte. Er war Chefredaktor der «SonntagsZeitung», der «Handelszeitung» und der TV-Börsensendungen «Money» und «Money Talk». Er moderiert jede Woche TV-Geldsendungen auf TeleZüri, Tele M1 und Tele 1 und ist täglich auf verschiedenen Radiostationen zu hören. In der «SonntagsZeitung» betreut er die Rubrik Geldberater.